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| Etwa 100 Besucher füllten die Aula der Volkshochschule, als am 31. März auf Einladung der Regionalgruppe Schwerin des RotFuchs-Fördervereins Egon Krenz zum Thema „Der Herbst 1989 und was daraus geworden ist“ sprach. Vor Beginn und nach der Veranstaltung drängten sich zahlreiche Genossen um den Tisch des Vortragenden, um sich von Egon Krenz eines seiner Bücher signieren zu lassen. Aus Anlaß seines nur wenige Tage zurückliegenden 70. Geburtstags wurden Egon Krenz die Glückwünsche der Versammlung ausgesprochen, ein Blumenstrauß wurde ihm überreicht. Egon Krenz, der sich zum ersten Mal nach seiner Freilassung in Schwerin aufhielt, bedankte sich für diese Aufmerksamkeit und auch für die Solidarität, die ihm während seiner Haft auch aus Schwerin zuteil geworden war. Egon Krenz nannte die mit unverminderter Heftigkeit gegen die DDR geführte Kampagne eine „Erinnerungsschlacht“. Er führte zahlreiche Beispiele der Verleumdung und Verfälschung an, bis hin zum Film „Das Leben der Anderen“. Heftig wandte er sich gegen den Vergleich oder gar die Gleichsetzung mit dem deutschen Faschismus. Kontinuität mit diesem sei vielmehr in der BRD festzustellen. Bitter bemerkte Egon Krenz, daß „sein“ Staatsanwalt, der 16 Jahre Haft gegen ihn beantragte, in der BRD auch für die Verfolgung der Nazi-Juristen zuständig gewesen war und keine einzige rechtskräftige Verurteilung derselben erwirkt hatte. Mit Bezug auf Pfarrer, wie Eppelmann, Gauck und Birthler und auf Leute vom Schlage eines Hubertus Knabe, appellierte Egon Krenz: „Man darf denen nicht die Deutungshoheit über die Geschichte der DDR überlassen!“ Auf die Ereignisse von 1989 in der DDR angesprochen, meinte Egon Krenz, dass es viele Ursachen gebe, und über Jahre hinweg habe sich vieles aufgestaut. Das reiche von den schwierigen Anfangsbedingungen beim Aufbau der DDR über die Bedingungen der „widernatürlichen“ Teilung Deutschlands, über das falsche (durch das BRD-Fernsehen vermittelte) Bild der DDR-Bevölkerung von der BRD, über innerparteiliche Fehlentwicklungen in der SED bis hin zur Vernachlässigung der Beteiligung des Volkes an politischen Entscheidungen. So habe es in den 50er und 60er Jahren in der DDR eine breite öffentliche Diskussion von Gesetzentwürfen gegeben, in den 70er und 80er Jahren jedoch nicht mehr. In den 80er Jahren sei dann die Entwicklung in der Sowjetunion dazugekommen. Vehement verteidigte Egon Krenz die Entscheidung der DDR-Führung, 1989 keine militärische Gewalt eingesetzt zu haben: „Unsere Idee wäre für Jahrhunderte mit Blut besudelt gewesen!“ Über seinen kürzlichen Besuch in Kuba berichtete Egon Krenz, dass er sich mit Raul Castro, Carlos Lage und anderen hohen Funktionären getroffen hat. Die dortige Entwicklung beurteilt er sehr zuversichtlich: Die kubanische Führung (besonders Fidel Castro) hält enge Verbindung zum Volk – ein Grund dafür, daß Kuba im Jahr 1990 in fast aussichtsloser Situation standgehalten hat. Schwerin, 02.04.2007 Horst Mette |