![]() |
![]() |
|
Dr. Hans Reichelt, in der DDR verantwortlich für den Hochwasserschutz war am 22 April unser Gast zur zweiten von 6 vorgesehenen politischen Bildungsveranstaltungen
unserer Rotfuchs-Regionalgruppe. Wie immer wurde mit dem Thema "Umweltschutz -Gestern und Heute, Umweltschutz und Profit" ein vielumstrittenes heißes Eisen gewählt, dessen kritische Besprechung, Orientierung im Chaos der aktuellen Desinformation erleichterte. Die Grundaussage Dr. Reichelts, "das sozialistische Eigentum ist eigentlich die beste Voraussetzung für Umwelt und Naturschutz", zog sich wie ein roter Faden durch den Vortrag und die Diskussion. Mehrere Diskutanten bereicherten die Ausführungen des Gastes durch aktuelle, selbst erlebte Beispiele. Investitionen werden nur bei Gewinnaussichten getätigt. Förderung von Naturschutz wird heruntergefahren. Die Frage, ob erst mit der Einverleibung der DDR in die BRD Hochwasser an der Elbe auftritt, beantwortete Dr. Reichelt, der DDR-Verantwortliche für Hochwasserschutz, mit der Behauptung, daß ein großer Teil der Schäden und Verluste durch Hochmut, Inkompetenz und privater Raffgier der heute Verantwortlichen entstanden sind. Er belegt das am Beispiel der in der DDR angelegten Staubecken der Elbnebenflüsse. Während damals die aus dem Böhmischen Becken durchschwappende Hochwasserwelle durch Schließung der bei niedrigem Pegelstand gehaltenen volkseigenen Stauwerke, in den Spitzenwerten gemindert werden konnte, sind dieselben Becken heute privatisiert, bringen den Besitzern durch Trinkwasserverkauf Profit und können in Bedarfsfalle kein Wasser aufnehmen, da sie bei höchstmöglichem Pegel gefahren werden. Ähnlich der Leichtsinn der Behörden, Baugenehmigungen in Überflutungsräumen zu erteilen und folgerichtig den Verlust von ganzen Wohnvierteln und Gewerbebauten billigend in Kauf zu nehmen. Auch die schlecht abgestimmte Regionalisierung des Hochwasserschutzes verursachte Verluste. Während zu DDR-Zeiten der Kampf gegen das Hochwasser auf dem ganzen Staatsgebiet in einer Hand beim Umweltminister lag, ihm alle verfügbaren Mittel, einschließlich der Friedensarmee NVA, zur Verfügung gestellt und nach einheitlichem Plan organisiert wurde, werden heute Kleinstaaterei und Diletantismus zusätzlichen Schaden verursachen. Waren die Deichabscnitte bis 1990 von ortsansässigen Fachleuten teilweise Jahrzehnte lang betreut, koordiniert und entwickelt worden, wurden danach alle zentralen Pläne vernichtet, die Deichverantwortlichen abgeschafft und die Gefahr den Göttern anvertraut. Wieder eine gelungene Bildungsveranstaltung die sich wohltuend von der Gefälligkeitspropaganda der Ausbeutermedien abhebt. Die nächste Veranstaltung findet am 17. Juni mit Klaus Huhn 10.00 Uhr im "Haus der Kultur und Bildung" (HKB) statt. G.Schmidt |