Gewinnung neuer „RotFuchs“-Leser: In Freiberg vordergründiges Anliegen

Mitgliederversammlung der Regionalgruppe Freiberg analysierte bisherige Tätigkeit und steckte neue Aufgaben ab – ein neuer Gruppenvorstand gewählt

Seit der Gründung unserer Regionalgruppe vor dreieinhalb Jahren wurde im Freiberger Raum eine stabile Basis für den „RotFuchs“ geschaffen. Dabei gehören wir Freiberger bestimmt nicht zu den Größten in der Familie der RotFüchse. In der Mitgliederversammlung am 25. April d. J. fehlten nur fünf Fördervereinsmitglieder, und die waren begründet entschuldigt. Bewährt hat sich offensichtlich, dass zur Vorbereitung der Versammlung die Genossen vom Gruppenvorstand mit den Mitgliedern individuell gesprochen haben. Auch einige ständige Leser der Monatsschrift „RotFuchs“ sowie die Genossen Wolfgang Naundorf und Wolfgang Herrmann von der RotFuchs-Gruppe Chemnitz-Zwickau-Plauen waren als Gäste gekommen und bereicherten mit wertvollen Hinweisen die Aussprache. Wegen der überraschend hohen Teilnahme mussten in den Versammlungsraum zusätzlich Stühle gestellt werden.
Von Anfang an standen die Gewinnung von „RotFuchs“-Lesern sowie die Zusammenführung der Sozialisten und Kommunisten mit und ohne Parteibuch im Mittelpunkt unserer Vereinsarbeit. Wir wollten und wollen in der Region die Kräfte im Kampf für Frieden und eine sozial gerechtere Gesell- schaft stärken, ein wahres Geschichtsbild – insbesondere auch über die DDR – vermitteln, marxistisch-leninistische Erkenntnisse und Erfahrungen bewahren und weitergeben. Inwieweit uns das gelungen ist, wo wir vielleicht unsere Kräfte überschätzten, worauf wir uns in Zukunft konzentrieren müssen, um diese Fragen ging es in der Mitgliederversammlung unserer Freiberger Gruppe.
Zur Bilanz achtbarer Erfolge zählen zweifellos einige größere Diskussionsrunden, Foren bzw. Lesungen mit Vereinsmitgliedern, „RotFuchs“-Lesern, Sympathisanten und Freunden: U. a. „Zur Entwicklung in der VR China (mit Genossen Berthold), „Ereignisse und Hintergründe des 17. Juni 1953 in und um Freiberg“ (mit Zeitzeugen aus der Region), „Aufgaben und Tätigkeit des MfS“ (mit Offizieren des Ministeriums), „Leben und Wirken von Che Guevara“ (mit Dr. W. Apel vor Studenten der TU Bergakademie).
Im Unterschied zu den Veranstaltungen mit prominenten Gästen, war die Resonanz unserer Mitglieder und „RotFuchs“-Leser auf Angebote an Zirkeln, Treffs, Diskussionsforen bisher nur sehr gering. An den vier zu aktuellen Themen durchgeführten marxistisch-leninistischen Zirkeln nahmen meist nur Vorstandsmitglieder teil; so dass sich der Aufwand bei der Vorbereitung kaum ausgezahlt hat. – Die ursprünglich konzipierte Arbeitsgruppe marxistisch-leninistische Bildung ist nicht aktiv geworden; für die Arbeitsgruppe Geschichte wären die notwendigen Anstrengungen und Aufwen- dungen größer gewesen als unsere realen Möglichkeiten. Dennoch – das wurde auf der Mitglieder- versammlung bestätigt – die marxistisch-leninistische Bildungsarbeit gehört zu den Hauptaufgaben der Regionalgruppe. Erfahrene Genossen unserer Gruppe sind auch bereit, in bestehenden linken Vereinen und Jugendgemeinschaften als Gesprächsführer aufzutreten. Es werden die Anstrengungen verstärkt, zu aktuellen Abhandlungen und Themen in der Monatschrift „RotFuchs“ Leserdiskussio-nen zu organisieren.
Von besonderem Wert – aus historischem und aktuellem Anlass – war das von der RotFuchs-Gruppe gemeinsam mit der KPD-Regionalorganisation und der seinerzeit bestehenden Regionalgruppe der DKP initiierte ehrende Gedenken an die Opfer des Freiberger Blutsonnabends im Oktober 1923. Der PDS-Stadtvorstand und die PDS-Fraktion im Stadtrat unterstützten aktiv unseren Vorschlag, dass der Gedenkstein für 29 von der Reichswehr brutal ermordeter Freiberger noch vor dem 80. Jahrestag restauriert werden sollte. Der Stadtrat beschloss entsprechend „denkmalerhaltende Maßnahmen“. Schließlich wurde die Gedenkveranstaltung 2003 zu einem würdig begangenen und viel beachteten Ereignis.
In letzter Zeit stand im Gruppenvorstand mehrmals die Vorbereitung einer Mitgliederversammlung auf der Tagesordnung. Zeitgleich musste der Gründer und Vorsitzende unserer Gruppe, Genosse Dieter Rosenberg, seine Funktion aufgeben. - Wir danken Genossen Rosenberg für seine geleistete aktive Arbeit in der Gruppe.
Bis zur Mitgliederversammlung im April d. J. leitete Genosse Prof. Dr. Karl-Heinz Bintig mehrere Monate die Vorstandstätigkeit. Für die Wahl in einen neuen Gruppenvorstand kandidierten die Genossen: Prof. Dr. Karl-Heinz Bintig, Manfred Dittrich, Rose Goellner, Karl Grandissa, Lothar Hunger, Siegfried Neubert, Dr. Albrecht Tolke, Michael Wießler. In offener Abstimmung wurden sie einstimmig in den Vorstand und Genosse Siegfried Neubert zum Vorsitzenden der RotFuchs-Regionalgruppe Freiberg gewählt.
Stets orientierte unser Gruppenvorstand darauf, den “RotFuchs“ und die Regionalgruppe in die Öffentlichkeit zu bringen, präsent zu sein bei bedeutenden gesellschaftlichen Ereignissen, die in unser politisches und ideologisches Konzept passen. Das soll auch in Zukunft so sein. Doch wir sind immer noch ein relativ kleines Kollektiv, das dafür nur sehr begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung hat. Ohne unseren Einfluss und unser Potential zu überschätzen, werden wir aber jede Gelegenheit wahr- nehmen, um die Zusammenarbeit mit anderen linken Gruppierungen in der Region zu verstärken, um so gemeinsame Anliegen öffentlichkeitswirksam und nachhaltig zu unterstützen. Selbstverständlich wird unsere Regionalgruppe des Fördervereins e. V. weiter an lokalen Veranstaltungen gegen Krieg und Faschismus teilnehmen. Die Ehrungen von Ernst Thälmann jeweils im April und August am Thälmann-Denkmal in Freiberg werden von unseren Genossen einberufen und gestaltet. Damit wollen wir zugleich beitragen, dass uns das Freiberger Thälmann-Ehrenmal erhalten bleibt. Am 18. August 2006, dem 62. Jahrestag der Ermordung Ernst Thälmanns findet das nächste ehrende Gedenken statt.
Sicher erscheint auch, dass wir in Zukunft Veranstaltungen mit Persönlichkeiten des politischen Lebens durchführen werden, aber nur eine oder zwei im Jahr. Veranstaltungen dieser Art sind wichtig, publikumswirksam und werden auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Sie ersetzen aber – trotz ihres Erfolgs – nicht die interne Arbeit in der Regionalgruppe mit den Mitgliedern, „RotFuchs“-Lesern und Sympathisanten. Der Rahmen für diese Arbeit wird gesetzt durch die Aktivität des neu gewählten Gruppenvorstands und durch die Interessen und die Bereitschaft zur Mitarbeit aller Interessierten. Beides – kommerziell gesagt – also Angebot und Nachfrage müssen in Menge, Qualität und Sortiment zueinander passen, was bisher leider nur unzureichend der Fall war. Dass das anders, besser wird - dafür ging von der diesjährigen Mitgliederversammlung der RotFüchse aus der Freiberger Region ein gesunder Optimismus, eine klare Orientierung und natürlich auch ein eindringlicher Appell zum Mitmachen aus. Denn jedes Kollektiv, jeder Verein lebt nur mit und durch seine Mitglieder.
Karl Grandissa, Albrecht Tolke