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| Am 25. März 2007 sprach der evangelische Theologe Peter Franz, Weimar, zu diesem interessanten Thema vor den Mitgliedern und Gästen der RotFuchs-Regionalgruppe Chemnitz-Zwickau-Plauen. Er begab sich damit bewusst und kontrovers in das Spannungsfeld der Dialektik von Materialismus und Idealismus, indem er das Trennende und das Gemeinsame von Christen und Marxisten darstellte.
Ausgehend vom Begriff der „communio", der Gemeinschaft oder Gemeinschaftlichkeit, der im Leben beider Seiten eine große Rolle spielt, arbeitete er zwei wichtige Faktoren gemeinsamer Wurzeln von Kirche und Marxismus heraus:
Das Ziel, „der communio durch Befreiung von Ungerechtigkeit", streben beide Seiten an, aber auf sehr unterschiedlichen Wegen, mit anderen Mitteln und Methoden. Ist für den Christen die feste Gemeinschaft mit Gott und mit seinen Mitmenschen der einzige Weg, so erreicht ein Marxist dieses Ziel durch Vergesellschaftung der Produktionsmittel, d. h., der gemein-schaftlichen Verfügung über das Eigentum. Im Alten Testament kommt dem Gott eine herausragende Eigenschaft zu. Er ist ein befreiender Gott (1.Gebot, Mose 2, Kap.20), die alten Israeliten verbanden dies mit dem Beginn ihrer Befreiung aus dem „Sklavenhaus„ der damaligen Großmacht Ägypten. In der heute geltenden christlichen Glaubenslehre entfällt diese befreiende Eigenschaft, mit der Folge, dass der Gottesbegriff enthistorisiert und zu einer absoluten Größe stilisiert wird, der sich alles zu unterwerfen hat. Damit wird Religion zum formalisierten Dogma, mit dem alles erklärt wird, so auch die Rechtfertigung bestehender Unrechtsverhältnisse. Infolge der Vergewaltigung und Sinnentleerung des Gottesbegriffs haben die Gläubigen keinen Maßstab mehr, um die an sie durch die Klassen-gesellschaft gerichteten Forderungen zu messen. Die Herrschenden nutzen das als ideologische Basis für Demagogie und der Manipulation des Menschen. Im Alten Testament wird in der Originalfassung des 2. Gebotes (Mose 2, Kap. 20) ein so genanntes Bilderverbot gesetzt und damit das Dogma der Absolutheit vermieden. Ein „Gottesbild" wurde ausgeschlossen, damit der befreiende Gott allein durch sein geschriebenes oder gesprochenes Wort wirkt. Die christlichen Kirchen aber strichen das 2. Gebot aus den Lehrtexten und teilten dafür das 10. Gebot, was den wenigsten bekannt ist. Peter Franz zog die Verbindung zum Marxismus, der keine scholastische Theorie darstellt, keine endgültig fertige Weltsicht verbreitet, sondern den Menschen mit der Theorie die Instrumente gibt, mit denen sie ihre Welt gerecht umgestalten können. Das 3. Gebot (Mose 2, Kap.2q), die Verfügung des Sabbats, beziehen wir heute auf den arbeitsfreien Sonntag. Peter Franz bezeichnet den 7.Tag als ein Beispiel der Regelung für die Reproduktion der menschlichen Arbeitskraft im erkämpften sozialen System. Allen Gliedern der Gesellschaft möglichst gleiche Existenzbedingungen zu sichern, das ist ein Wert der „ communio bei der Erprobung gerechter Verhältnisse ". Grundlegende Unterschiede zwischen Christen und Marxisten bestehen z.B. in ihrer Stellung zum Staat. Im Gegensatz zu Marxisten, ließen sich die Kirchen stets in das Herrschafts-system einbinden, sie verteidigten es und erhielten durch Staatskirchenverträge Privilegien zur Sicherung ihrer Stellung. Jahrhundertelang wirkte sich die kirchliche Verurteilung des außerehelichen Geschlechtsverkehrs und die unlösbare Verbindung dessen mit der Fortpflanzung negativ auf die kulturelle Befreiung der Menschen aus. Auch das Verhalten der Kirche zu Krieg und Militär passte sich an. In frühen Jahrhunderten galt es den Christen als Sünde, Waffen zu tragen, sie gegen Men-schen zu richten. Die Ausbeutergesellschaften bauten auf die Religion zur Legitimierung von Krieg und Gewalt und nutzten die Seelsorge für Soldaten zur Motivation zur Gewaltanwendung. Aus der Sicht des Referenten ist der Klassenkampf zur Errichtung einer ausbeutungsfreien Gesellschaft gerade der Versuch, „..., den durch den befreienden Gott, ..., bekundeten Willen zur Befreiung des Menschen aus der Entfremdung von sich selbst und von der Natur, zu erfüllen". Die Diskussion brachte verschiedene, auch sehr unterschiedliche Meinungen hervor. Mehrere Diskussionsredner sprachen von ihren positiven Erfahrungen der politischen Arbeit mit Christen, von vielfach negativen Erfahrungen mit der Institution Kirche, es gab Hinweise, nicht oberflächlich nach erstem Eindruck zu urteilen, sondern vor allem bei sektenähnlichen christlichen Gemeinschaften genauer zu analysieren. Einig waren sich die Teilnehmer in der Erkenntnis, dass auch die Auseinandersetzung mit christlichen Anschauungen zu Kenntnissen führt, durch die sich Fehler in der Zusammenarbeit mit christlich geprägten Menschen künftig vermeiden lassen. Als ein Fazit der Gemeinsamkeit zitierte der Refe-rent Thomas Müntzer: „Daher musst Du, gemeiner Mann, selber gelehrt sein, damit Du nicht länger verführt werden kannst!". Albrecht Geißler |