Ursachen und Entwicklungen des Palästina-Konflikts

Am 24. Februar trafen sich die Mitglieder und Sympathisanten der RotFuchs-Regionalgruppe Chemnitz-Zwickau-Plauen, um sich einem aktuellen, vielschichtigen Thema zu widmen. Unser Gast Ibrahim Mannaa, Palästinenser mit Wohnsitz in Chemnitz, vermittelte uns in seinen sehr interessanten Vortrag wichtige Erkenntnisse aus der Geschichte Palästinas und seines Volkes. Zu Beginn verwies er darauf, dass die Herstellung eines dauerhaften Friedens als Nahziel vorrangig ist und dass der Palästinakonflikt nicht als religiöse Tragödie bei der Besiedelung des Landes zu begreifen ist. Vielmehr liegen die komplexen Ursachen in der britisch- französischen Vormachtstellung im Nahen Osten nach der Zerschlagung des Osmanischen Reiches zum Ende des I. Weltkrieges. Die Thesen zum jüdischen Nationalstaat von Th. Herzl und die Gründung der zionistischen Bewegung beförderten den Wunsch breiter Kreise der Juden in der Diaspora nach einem eigenen Nationalstaat. Die Außenpolitik Großbritanniens lockte mit Versprechungen an die Beteiligten und es kam zu einer massiven Zuwanderung in das sogenannte „Gelobte Land". Der Mandatsherrschaft ging es aber um die Sicherung eines ungehinderten Zugangs zu Indien und seinen Anrainern. Zunehmende lokale Konflikte um Ressourcen, ungerechtfertigte Aneignung fruchtbaren Landes durch jüdische Siedler, erste Mechanismen zur Unterdrückung der arabischen Völker und religiöse Ressentiments auf beiden Seiten führten 1936 zum palästinensischen Aufstand. Die UN nahm 1947 eine Resolution mit Teilungsplan zur Gründung zweier Staaten an, die heute noch völkerrechtliche Gültigkeit besitzt. Israel hatte sich allein zum Staat entwickelt, führte mit britischer und französischer Unterstützung 1948 seinen sogenannten Unabhängigkeitskrieg und schuf mit Annexionen arabischer Gebiete vollendete Tatsachen. Die USA übernahmen die Positionen von Frankreich und Großbritannien, verstärkten ihren Einfluß im Nahen Osten und entwickelten Israel zum wichtigsten Partner in der Region. Heute fungiert der Staat Israel, ausgestattet mit hohem militärischem und wirtschaftlichem Potential, als aggressiver, kapitalisti-scher und rassistischer Unterdrückungsapparat, als Stellvertreter US-amerikanischer Interessen mit weitgehender politischer Handlungsfreiheit im Nahen Osten.
In der Diskussion wurden viele aktuelle Probleme angesprochen. Ibrahim Mannaa erläuterte seine Sicht auf den Bruderzwist zwischen Fatah und Hamas. Prof. Werner Roß erinnerte an die Erkennt-nisse aus Marx`“Über die Judenfrage“, nach dem „ ... die gesellschaftliche Emanzipation des Juden die Emanzipation des gesamten Judentums ist ...“. Ibrahim Mannaa beantwortete parteilich enga-giert Fragen nach den Hintergründen der Entwicklungen im Libanon und im Gaza- Streifen. Dabei zeigte er die regionalen Machtkonstellationen, die vorherrschenden Interessen und die Wirkungen ausländischer Einmischung auf. Die Teilnehmer dankten Ibrahim Mannaa für seine Ausführungen und brachten ihre Solidarität mit dem Volk Palästinas zum Ausdruck.
Albrecht Geißler