Wie stellen wir uns den zukünftigen Sozialismus vor?

Mitglieder, Leser und Interessierte der RotFuchs-Regionalgruppe Chemnitz-Zwickau-Plauen trafen sich am 6. Januar 2007, um über Grundzüge des künftigen Sozialismus zu beraten. Uns ist klar: Ohne ein wissenschaftliches Konzept zum Aufbau der ausbeutungsfreien Gesellschaft kann die Linke die-sen Weg nicht einschlagen. Prof. Dr. Werner Roß entwarf im einführenden Beitrag einige konzep-tionelle Eckpunkte dieser Thematik.
Basis eines solchen Konzepts ist generell die politisch - ideologische Bestandsaufnahme. Die Konter-revolution hinterließ weltanschauliche Desorientierung und Zweifel an der Richtigkeit des sozialisti-schen Weges bei den Menschen. Die Kriminalisierung, die Verleumdung des Sozialismus und seiner Errungenschaften durch Politik, Medien und Behörden soll diese dauerhaft ausbauen. Fragen wie: Ist der Mensch reif für den Sozialismus? Reichte bzw. reicht heute der Entwicklungsstand der Produktiv-kräfte aus für einen neuen Sozialismus? usw. werden nicht nur von Linken aufgeworfen und müssen wissenschaftlich fundiert mit den Menschen diskutiert werden. Dazu kommen sich stetig verschärfen-de Widersprüche des Kapitalismus, spürbarer, radikaler Sozialabbau und sich verschlechternde Lebensverhältnisse. Der Glaube in den Rechtsstaat, die bürgerlich parlamentarische Demokratie und den Sozialstaat ist gewichen. Direkte Demokratie ist für das Volk nicht spür- und realisierbar. Darum ist es notwendig, heute zu beginnen,den künftigen Sozialismus zu entwickeln. Nur Sozialisten und Kommunisten werden die wahren, ökonomischen Ursachen für die Probleme der Menschheit klar erkennen und verbreiten können. Die Alltagsprobleme der Menschen haben ihre klassenmäßigen Ursachen, dazu ist wissenschaftliche Klarheit notwendig. Dies gilt ebenso im Kampf gegen Neoli-beralismus und Neofaschismus. Bei all diesen Aufgaben braucht die antikapitalistische Bewegung die revolutionäre Partei, deren Programm auf fundierter wissenschaftlicher Weltanschauung steht und die auch danach handelt. Die Spaltung der Linken ist mit diesem Prozess zu überwinden. Dies geht nur im inhaltlichen Klärungsprozess, der auf Basis der marxistisch-leninistischen Theorie geführt wird. Mit ersten Vorstellungen für ein wissenschaftlich untermauertes aktuelles Sozialismuskonzept schaffen wir die Grundlage für eine ergebnisorientierte Diskussion. Genosse Werner Roß schlug drei wichtige Eckpunkte für eine breite Diskussion vor:

1. Die Notwendigkeit einer marxistisch-leninistischen Partei vorausgesetzt, muss sie als führende Kraft mit einer wissenschaftlichen Gesellschaftsstrategie gerüstet sein. Sie muss Demokratie vorleben, kollektiven Führungsstil beweisen, prinzipienfest sein, basisdemokratische Kontrolle der Leitungsgremien sichern.
2. Die Macht der Arbeiter und ihrer Verbündeten und der sozialistische Staat gehören zusammen. Die Diktatur des Proletariats reicht bis zum Ende der Klassenstrukturen, der Klassenkampf ist erst dann zu Ende.
3. Macht und gesellschaftliches Eigentum an den Produktionsmitteln bedingen einander. Diese neue Eigentumsform hat ihren Beginn und die Voraussetzung in der sozialistischen Revolution. Sie ist für die Befriedigung der Lebensbedürfnisse aller Menschen und zur Lösung drängender Menschheitsprobleme unerlässlich.

Weiterhin warf er die Frage auf, welche Aufgaben zentralisiert und welche dezentralisiert zu lösen sein werden. Hier ergibt sich eine widersprüchliche Einheit, die nur durch ständige, vom realen Stand ausgehende und auf das strategische Ziel gerichtete Optimierung gelöst werden kann. Das Prinzip des demokratischen Zentralismus sollte zukünftig der Entscheidungsdemokratie den Vorrang gegenüber einer Ausführungsdemokratie sichern. Werner Roß warnte davor, Widersprüche zu unterdrücken, sie sind und bleiben Haupttriebkräfte der Entwicklung.
Die Diskussion brachte zu diesem zum gesamten Themenkomplex große Zustimmung. Auch DDR-typische Probleme, wie z.B nicht ausreichend entwickeltes Eigentümerbewußtsein an den Produk-tionsmitteln, wurden angesprochen. Im Schlusswort forderte Genosse Roß, nie mehr Wunschdenken über die Probleme des sozialistischen Aufbaus zuzulassen. Er verwies auf die Notwendigkeit umfassender Bildung der Menschen. Ohne sie ist ein aktives, bewusstes Handeln zur Ausprägung und Umsetzung sozialistischer Demokratie unmöglich. Die sehr zahlreichen Diskussionsbeiträge zeigten, dass sich mancher sehr zielgerichtet auf dieses Thema vorbereitet hatte und machten gleichzeitig machten deutlich, dass nach mehr als 15jähriger Vernachlässigung der M/L-Bildung ein riesiger Diskussions- und Lernbedarf auf der Basis der Lehren von Marx, Engels und Lenin besteht.
Albrecht Geißler