Die Nelkenrevolution-Entwicklung und Erfahrungen der Portugiesischen Kommunistischen Partei

Am 25. November 2006 trafen sich Mitglieder und Sympathisanten der RotFuchs-Regionalgruppe Chemnitz-Zwickau-Plauen mit Genossen Dr. Klaus Steiniger, Chefredakteur des „RotFuchs" und mit Bruni Steiniger. Als profunder Kenner des Landes, seiner Geschichte und seiner revolutionären Bewegung gab Klaus Steiniger eingangs einen anschaulichen Überblick zur Situation des Volkes, der Portugiesischen Kommunistischen Partei und der Gewerkschaften. Genosse Steiniger würdigte die portugiesische Revolution gegen das faschistische Salazar-Regime als weitreichendsten Vorstoß der sozialistischen Kräfte in Westeuropa. Sie brachte damals die Verstaatlichung von ca. 245 Groß-unternehmen und die Bildung von Kooperativen und volkseigenen Gütern in einer großen Agrar-reform. Das Volk erkämpfte demokratische Rechte und Freiheiten, die PCP wurde legal. Auch wenn unter maßgeblicher Beteiligung der europäischen Sozialdemokratie die Revolution erstickt wurde, so blieben doch eine bürgerliche Demokratie, die Befreiung der Kolonien, eine starke kommunisti-sche Partei und eine revolutionäre Gewerkschaftsbewegung erhalten. Zusammen mit der griechi-schen KP bildet die portugiesische KP heute die Vorhut der kommunistischen Bewegung in Europa.
Ein Videofilm brachte uns eindrucksvolle Bilder näher. Aus Aufnahmen von mehreren Pressefesten des Zentralorgans der PCP „Avante", gestaltete Genossin Bruni Steiniger einen bewegenden Bei-trag über die Kampfkraft und Zuversicht der portugiesischen Genossen. Dabei erlebten wir Alvaro Cunhal, den ehemaligen Generalsekretär der PCP, als einen vom Volk verehrten aber auch beson-ders volksnahen Menschen (diese DVD ist bei der RotFuchs-Redaktion erhältlich). In der Dis-kussion wurden verschiedene Fragen aufgeworfen. Wie gelingt es der portugiesischen KP für genügend Nachwuchs zu sorgen? Wir sahen emotionale Bilder von „Avante"- Pressefesten. Warum haben wir keine solche Volksbewegung, was machen wir hier verkehrt? Klaus Steiniger begann seine Antwort mit dem Verweis auf aktuelle Erfolge der linken Bewegungen in Lateinamerika. Die unterschiedlichen ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen und der Entwicklungsstand des subjektiven Faktors in verschiedenen Ländern und Regionen erklärt viele Möglichkeiten für positive revolutionäre Veränderungen. Auch sind Parteien ihrem marxistisch-leninistischem Kurs treu geblieben, bewahren sich ihre Verankerung im Volk. In der BRD gibt es viele antikapitalistisch denkende junge und ältere Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen nicht organisieren wol-len. Die Mitglieder und Sympathisanten des „RotFuchs" arbeiten mit der Verbreitung des wissen-schaftlichen Sozialismus aber zuvorderst an der Sammlung und Vorbereitung für die Bildung einer zukünftigen kommunistischen Bewegung hier vor Ort. Eine Genossin berichtete über ihre Beobach-tung zu Hakenkreuzen in Urlaubsorten an der portugiesischen Algarve. Gen. Steiniger erklärte dazu, dass es regional faschistische Gruppierungen gibt, besonders in ländlichen Gebieten. Vielfach wird dort reaktionäres, klerikalfaschistisches Gedankengut von alten Nutznießern des Faschismus und von der katholischen Kirche wach gehalten. In der BRD dagegen läuft die schleichende Faschisierung über die parlamentarische bürgerliche Öffentlichkeit und die Medien, das faschisti-sche „Fußvolk fürs Grobe“ wird in Reserve gehalten, falls es gegen eine evtl. erstarkende Arbeiterbewegung gebraucht wird. Auch wenn Fragen der großen Schar unserer Zuhörer wegen der begrenzten Zeit nicht alle beantwortet werden konnten, so nahmen wir doch revolutionären Optimis-mus, gespeist aus beeindruckenden Bildern von„Avante"-Pressefesten und den Worten unseres Genossen Klaus Steiniger, mit in die Weihnachtszeit und die Zeit des Jahreswechsels.
Albrecht Geißler