Macht und Eigentum als Fundamentalfrage des Klassenkampfes

Die Mitglieder und Sympathisanten der RotFuchs - Regionalgruppe Chemnitz-Zwickau-Plauen trafen sich am 7.Oktober 2006, um über wichtige Fragen des Klassenkampfes zu beraten.
Aus aktuellem Anlaß widmeten wir uns eingangs dem 57. Jahrestag der Gründung der DDR. Wolfgang Naundorf würdigte die Schaffung des ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaates und verwies darauf, daß gerade die Fragen von Macht und Eigentum dort im Sinne der Mehrheit des Volkes schon 40 Jahre lang entschieden waren.
Über die explizite Bedeutung der Fragen nach Macht und Eigentum im gegenwärtigen Klassenkampf und ihrem dialektischen Zusammenhang sprach Prof. Dr. Werner Roß im einleitenden Vortrag. Er mußte dazu feststellen, dass im Osten Deutschlands diese Frage mit der Konterrevolution zugunsten des Kapitals gelöst wurde. Der Anschluß der DDR glich einer Kolonialisierung. Das Recht wurde geändert, eine beispiellose Enteignung des Volkes, auch von Genossenschaften und Privatpersonen folgte. Es gilt, daraus die richtigen Schlußfolgerungen zu ziehen.
Wesentliche Triebkraft der Gesellschaft ist die Dialektik von Produktivkräften (PK) und Produktions-verhältnissen (PV), welche sich in Klassenkämpfen darstellt. Hier offenbaren sich die divergierenden Interessen der Klassen und die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen, die vom Eigentum oder Nichteigentum an Produktionsmitteln abhängen. Generell gilt, was Marx im Vorwort zur Kritik der politischen Ökonomie feststellte: Geraten die Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse in einer bestimmten Epoche in Konflikt zueinander, so verlangen diese Produktivkräfte völlig neue Produktions-verhältnisse.
Und: Bei der Ablösung von einer Ausbeutergesellschaft durch eine andere entstanden die neuen Eigen-tumsverhältnisse schon in der Vorangegangenen. Bei der Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialis-mus aber steht die Übernahme der politischen Macht durch die Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten voran und die soziale Revolution folgt dem nach. Objektiv steht im gegenwärtigen Widerstreit der Pro-duktivkräfte mit den herrschenden Produktionsverhältnissen die Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus an: Eine ruinöse Vernichtung von Produktivkräften wird heute von Wirtschaft und Politik betrieben. Neoliberale Sachzwanglogik dezimiert umfassend alle Arten wirtschaftlicher Ressourcen. Massenarbeitslosigkeit zerstört die Hauptproduktivkraft Mensch, Sozialabbau beschädigt deren Qualität auf lange Zeit, Umweltschädigung und Ressuorcenplünderung gibt es nicht nur in der Dritten Welt. Rüstung erzeugt unproduktive Güter, die Politik befördert das alles massiv mit Demokratieabbau und repressiver Gesetzgebung. Die Entfremdung der Menschen von den Produktionsverhältnissen steigert Resignation, Selbstentfremdung, fördert Individualisierung bis zur Isolation. Menschen definie-ren sich über Geld und Reichtum, das Produkt beherrscht den Produzenten. Die Lösung kann nur in der radikalen Umwandlung der Eigentumsverhältnisse liegen, welche diese asozialen ökonomischen Verhält-nisse hervorbringen. Doch es gibt nur mangelhaftes Bewußtsein bei vielen Menschen über die Notwen-digkeit des radikalen Umsturzes der Eigentums- und Produktionsverhältnisse. Um eine Änderung dieses Zustandes zu befördern, schlug Genosse Werner Roß vor, realistische Teilforderungen, die sich an elementaren menschlichen Bedürfnissen orientieren, im Rahmen von Stufenlösungen anzubieten und für ihre Umsetzung zu kämpfen. So z. B. Arbeit für alle, echte Friedenspolitik, größere Teilhabe aller am gesellschaftlichen Reichtum, Aufhebung der Hartz - Gesetze, Erweiterung der Bürgerrechte, progressive Besteuerung aller Einkünfte u.a.m. Unerläßlich ist die Verbindung der Forderungen mit einem wissen-schaftlich fundiertem Programm einer marxistischen Partei. Unsere rege Diskussion brachte Zustim-mung zu diesen Worten, sie brachte auch viele neue Beispiele zur Bestätigung der Analyse. Auch kritische Anmerkungen aus persönlichen Erlebnissen zu Fehlentwicklungen in der DDR, wie z. B. Karrierismus, wurden angesprochen, auf die Prof. Werner Roß in seinen Schlussbemerkungen einging. Spontan durch eine DKP-Genossin angestimmt sangen die Teilnehmer zum Abschluß der Bildungsveran-staltung die Nationalhymne der Deutschen Demokratischen Republik.
Albrecht Geißler