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Am 9. September trafen sich Mitglieder und Freunde der RotFuchs - Regionalgruppe Chemnitz/Zwickau/ Plauen, um sich diesem historischen und gleichzeitig aktuellen Thema zu widmen. Unser Gast, Gen. Prof. Dr. Götz Dieckmann, sprach sehr anschaulich und wissenschaftlich fundiert einführende Worte. Er erläu-terte, wie seit 1922 in der Diskussion der internationalen kommunistischen Bewegung nach und nach eine wissenschaftliche Definition des Faschismus entstand. Schon Clara Zetkin bezeichnete 1923 den Faschismus als klassischen Ausdruck der Reaktion der Bourgeoisie gegen die revolutionäre Arbeiter-klasse, als extrem reaktionär, mit dem Ziel, allumfassend gegen sie vorzugehen. Als Lenin nach der Oktoberrevolution erkannte, dass keine weiteren Revolutionen folgen, schloss er aus der Analyse der Entwicklung auf die Notwendigkeit der Arbeitereinheit, also des gemeinsamen Kampfes von Kommunisten und Sozialdemokraten gegen die reaktionäre Bourgeoisie. Erst nachdem die Mehrheit der internationalen kommunistischen Bewegung sich von linksradikalen und sektiererischen Auffassungen getrennt hatte, konnte sich eine wissenschaftlich fundierte Theorie und Praxis durchsetzen. Der VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale vollzog die Rückkehr zu Lenins Erkenntnis. Georgie Dimitroff definierte: „Der Faschismus an der Macht, Genossen, ist, ..., die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischsten Elemente des Finanz-kapitals." Den Schwerpunkt legte er hierbei auf die Worte „an der Macht". Damit ist antifaschistischer Kampf gleichzeitig auch antiimperialistischer Kampf! Gen. Prof. Dieckmann ging auf verschiedene Spiel-arten des Faschismus der Vergangenheit ein und erklärte Unterschiede. Der deutsche Faschismus z.B., war stark geprägt durch antisemitischen Hass und raffinierte reaktionäre rassistische Ideologie, die durch Nutzung moderner Technik und Massenmedien schnell in die Gehirne gelangte. Gen. Dieckmann widerlegte die von Historikern und Medien vertretene aktuelle Anschuldigung, in der Sowjetunion sei gegen den dort aus der Zarenzeit stammenden Judenhass nichts getan worden. Lenin hatte von Beginn an jegliche derartige Aktivitäten scharf verurteilt und deren Ziel, die Spaltung der unterdrückten Massen, offen gelegt. Der Rat der Volkskommissare erließ schon 1918 ein Dekret, das diese Handlungen als Kriminalität verfolgte und umfassend unter Strafe stellte. In der lebhaften Dis-kussion wurde oft die Problematik des Neonazismus der Gegenwart aufgeworfen und die Frage nach seiner gegenwärtigen Bedeutung gestellt. Gen. Dieckmann erwiderte dazu, dass Faschisten heute nicht nur in der BRD geduldet werden. Die herrschende Klasse erwartet in naher Zukunft stürmische Zeiten mit starken sozialen Protesten. Sie will aber rechtzeitig dafür sorgen, dass diese Proteste nicht mit einer geeinten Bewegung geführt werden. Latenter Neofaschismus wirkt als ideales Spaltungsinstrument gegen aufbegehrende Massen. Gen. Dieckmann wandte sich auch gegen die einzeln vorgetragene Auffassung, der Neofaschismus wer-de gegenwärtig in seinem Potential überschätzt. Ein wesentlicher Faktor seiner Gefährlichkeit besteht im Einsatz elitärer Hochschulkader in Führungspositionen, die in der Lage sind, mit ihrer Sozialdema-gogie, ihrer primitiven maskierten Ideologie besonders die Jugend zu begeistern. Deshalb gilt weiter die Schlussfolgerung: Für den erfolgreichen Kampf gegen den Neofaschismus brauchen wir die Einheit aller Antifaschisten. Der Kampf muss mit festem Klassenstandpunkt, umfassendem Wissen und gut koordiniert geführt werden. Da die europäische Bourgeoisie heute nicht mit einer revolutionären Situation rechnet, strebt sie gegenwärtig nicht nach der Zerschlagung bürgerlicher Demokratie. Genosse Albrecht berichtete von seinen Beobachtungen über die zunehmenden Wirkungen faschisti-scher Ideologie auf Jugendliche und stellte berechtigt die Frage: „Haben wir keine gemeinsame Stra-tegie gegen diese Nazis?" Gen. Dieckmann bejahte die Frage ohne zögern und tat dies auch stellver-tretend für die gesamte Linke im Land. Als Dank für sein großes persönliches Engagement übergab Genn. Ruth Löffler, Tochter des von den Faschisten ermordeten Chemnitzer Kommunisten Ernst Enge, begleitet von Beifall, unserem Gast einen Strauß Blumen. Diese sehr gelungene Veranstaltung gab uns die wichtige Erkenntnis mit, dass die Ein-heit aller Antifaschisten und der wissenschaftlich fundierte Kampf jetzt ein Gebot der Zeit ist! Albrecht Geißler |