Bündnispolitik zum Aufbau des Sozialismus–
Gedanken und Erfahrungen aus der Zusammenarbeit der Blockparteien in der DDR

Diesem Thema widmete sich die Regionalgruppe Chemnitz/ Zwickau/ Plauen zu ihrer Bildungsveran-staltung am 10 Juni 2006. Mit Dr. Wilfried Meißner, ehemals langjähriges Mitglied der NDPD in der DDR, fanden wir einen kompetenten und sachlichen Referenten, der uns lebendig seine Erfahrungen auf den verschieden Ebenen der Bündnispolitik schilderte.
Dr. Meißner war bereits kurz nach ihrer Gründung der NDPD 1950 beigetreten und verwies eingangs auf den Kern damaliger Bündnispolitik. Wie seiner Partei auch, so war für ihn selbst die führende Rolle der Partei der Arbeiterklasse beim Aufbaus einer friedlichen, antifaschistischen, demokratischen Gesellschaft eine objektive Gesetzmäßigkeit. So stellte sich die Frage nach einem Bündnis mit bestimmten Partnern, auch als Bündnis gegen andere und deren Bestrebungen. In der jungen DDR war dies eindeutig das Bündnis gegen Krieg, Militarismus, Faschismus und gegen die ökonomischen Wurzeln des Krieges, der kapitalistischen Produktionsweise.
In der Nationalen Front vereinten sich Gegner kapitalistischer Kriege, gleichzeitig die Mitwirkenden des Aufbaus einer sozialistischen Gesellschaft. Der Frieden war Kern aller Bestrebungen, die Freund-schaft zur SED und den anderen Parteien auf gleicher Augenhöhe ein treibendes Element fruchtbarer Zusammenarbeit. Die Bündnispolitik funktionierte stets gut, wenn man sich ehrlich, offen und tolerant begegnete, gemeinsam diskutierte und an einem Strang zog. Diese Erfahrung galt nicht nur in den schweren Zeiten des Beginns, sondern auch in 40 Jahren gemeinsamer Arbeit. Mit diesen wesentlichen Erkenntnissen charakterisierte Dr. Meißner den generellen Unterschied zur Politik in der BRD.
In der DDR beteiligte sich Dr. Meißner in vielen beruflichen Positionen aktiv am Aufbau und an der Verbesserung der Lebensverhältnisse. Er arbeitete in verschiedenen Kollektiven, auch oft als einziger Vertreter einer Blockpartei. Klar war stets: Nicht nur dass geführt wurde, sondern die Art und Weise der Führung durch die Partei der Arbeiterklasse entschied über den Erfolg gemeinsamer Arbeit. Probleme entstanden zumeist, wenn die subjektive Haltung Einzelner die objektiven Erfordernisse überlappte oder gar überwucherte. Doch offene, ehrliche und verlässliche Menschen aus den Block-parteien wurden stets gehört und ihr Wort besaß Gewicht. Dr. Meißner konnte von vielen Beispielen vertrauensvoller, von menschlicher Nähe geprägter Zusammenarbeit berichten.
Schwierige Aufgaben entstanden allerdings bei der Einbeziehung kirchlich gebundener Menschen, sie nannte er ein Manko der Blockpolitik. Abhängig von Zeit und Ort wurde unzureichend auf deren Mentalität und die persönlichen Bedürfnisse eingegangen. Auch stellte er fest, dass besonders in den letzten Jahren in der DDR zuwenig die Meinung der Massen berücksichtigt wurde.
Abschließend verwies Dr. Meißner auf die Politik im BRD-Staat, die deutsche Kriegsführung wieder möglich macht. Allen sprach er aus dem Herzen: Dieser Staat ist nicht unser Staat!
In der Diskussion brachten Veranstaltungsteinehmer ihre ähnlichen Erfahrungen zum Ausdruck. Uns Rotfüchsen ist es wichtig, aus positiven wie negativen Erfahrungen zu lernen, um im alltäglichen Kampf die richtige Entscheidung zu Fragen des Bündnisses aller antikapitalistischen Kräfte zu treffen!
Albrecht Geißler