Standhaftes Kuba

Wenn Kommunisten und Sozialisten an die schöne Karibikinsel Kuba denken, dann denken sie auch an die erste sozialistische Revolution auf dem amerikanischen Kontinent. Genosse Wolfgang Naundorf besuchte vor wenigen Wochen mit einer Studienreisegruppe das Land und berichtete nun der Regionalgruppe Chemnitz/Zwickau/Plauen am 12.November über die neuesten Entwicklungen beim Aufbau des Sozialismus in Kuba. 1990, nach dem Verlust der wichtigen Wirtschaftskontakte zu den RGW-Staaten, stand das Land am Scheideweg. Die Entscheidung der kubanischen Partei- und Staatsführung, auf den Tourismus als Wirtschaftsfaktor zu setzen, erwies sich als richtig und ermög-lichte die Weiterführung des sozialistischen Entwicklungswegs. Der Tourismus ist heute eine Haupt-einnahmequelle des Landes und beschäftigt ca. 200 000 Menschen mit größtenteils überdurch-schnittlichem Einkommen. In der„ Perioda especial" entstanden leider auch Faktoren, die die gesellschaftliche Entwicklung negativ beeinflussten. So z. B. wurde der Dollar zur Schattenwährung und das soziale Gefälle zwischen Teilen des Volkes verstärkte sich. Seit einigen Monaten setzt das kubanische Volk unter Führung der kommunistischen Partei ein neues Konzept um. Die verbesserte Lage in den Beziehungen Kubas zur Welt, insbesondere zu China und Lateinamerika, ermöglicht es, die industrielle Entwicklung in neuer Qualität voranzutreiben und das Primat des Tourismus einzu¬schränken. Die aufstrebende Wirtschaftsmacht China hilft dabei mit sehr günstigen Krediten, bilaterale Verträge sichern die Ausfuhr kubanischen Zuckers und der Nickelerze. In Kooperation erfolgt u. a. wichtiger Technologietransfer, der Ausbau von Infrastruktur und Nickel-Eisen-Verar-beitung. Venezuela liefert langfristig Öl zu Sonderkonditionen und unterstützt mit Knowhow den Ausbau der Erdölgewinnung im kubanischen Schelf. Das Volk Kubas sieht diese Hilfe aber nicht als Einbahnstraße. Internationalismus und Solidarität war in Kuba stets Herzenssache. Die Ausbildung von Ärzten und Lehrern für Lateinamerika und farbigen Studenten aus den USA wurde ausgeweitet. Die kostenlose ärztliche Behandlung in kubanischen Kliniken rettete vielen Ausländern das Leben. Eindrucksvoll wurde der Gruppe das in der größten chirurgischen und Unfallklinik des Landes in Havanna und auch in Camagüey bestätigt. Er schilderte stark bewegt den besonders herzlichen Empfang in der Brauerei von Camagüey, die von der DDR errichtet wurde.
Hier und bei Gesprächen in der Bezirksleitung der Kommunistischen Partei in Santa Clara erfuhren die Gäste vom hohen Stellenwert der Gewerkschaften bei Leitung und Organisation der Produktion sowie im gesellschaftlichen Leben. Die Wahlen zu allen Volksvertretungen werden von jeweiligen Gliederungen organisiert und durchgeführt. Die zielstrebige Ausprägung der sozialistischen Demokratie steht dabei im Mittelpunkt. Die Kandidaten werden im engen Kreis der Betriebe und Wohngebiete vorgeschlagen, geprüft und legen dort auch regelmäßig Rechenschaft ab.
Die hohe Qualität des kubanischen Bildungssystems erlebten die Mitglieder der Gruppe in der Grundschule „Tamara Bunke". Charakteristisch dafür sind die im Land übliche Klassenstärke von max. 20 Schülern, gut ausgestattete Computerkabinette und oft ganztägige Betreuung. Leider ist die materielle Absicherung noch problematisch. Deshalb wurden dort umfangreiche Solidaritätsgüter übergeben.
Genosse Naundorf ging auch auf die negativen Folgen der Blockadepolitik der USA und anderer kapitalistischer Länder ein. Engpässe in der Versorgung mit wichtigen Gütern, Handelskrieg, Technologieembargo und Sabotage haben den Aufbau beeinflusst, aber das kubanische Volk konnte mit hohem Engagement und unkonventionellen Lösungen viele Probleme beseitigen. Dem akuten Wohnungsproblem soll mit hohen Investitionen in Neu- und Ausbau und hohem Anteil geförderter kollektiver Eigenleistung begegnet werden. Wirbelstürme und anhaltende Dürre schädigten die ganze Wirtschaft und waren deutlich sichtbar. Trotz dessen erwartet man für 2005 ein Wirtschafts-wachstum von 9%!
Es bleibt die Erkenntnis, dass solidarische Hilfe weiter notwendig ist! Die Mitglieder der RotFuchs-Regionalgruppe und Gäste von der AG „Cuba Si" in der PDS schritten sofort zur Tat. Die 41 Teilnehmer spendeten insgesamt 285 € für Projekte von „Cuba Si". In der Diskussion wurde u. a. die Rolle der so genannten „Dissidenten" angesprochen. Wolfgang Naundorf zitierte dazu Aussagen von Vertretern des ZK der KP Kubas, nachdem von 75 Verurteilten, angeblich alle „freie“ Jour-nalisten, nur 2 journalistisch tätig waren, aber alle 75 als Konterrevolutionäre im Sold der USA standen. Abschließend berichtete er von zwei wichtigen Aspekten aus den Lebenserfahrungen der Kubaner. „Die Revolution hat den Menschen ihre Würde wiedergegeben" und „Fidel Castro hat uns nie belogen!" Die Mitglieder des RotFuchs sind sich deshalb sicher: Das Volk Kubas wird der imperialistischen Blockade niemals weichen!
Albrecht Geißler