30. Juni 2006:
"Pressefreiheit" in der "Informationsgesellschaft"


- so war der Vertrag überschrieben, den Harri Czepuck, einer unserer gestan-denen DDR-Journalisten, für die Berliner Regionalgruppe des RotFuchs-Fördervereins ausgearbeitet hatte und der dann den zahlreich erschienenen Besuchern unserer Veranstaltung am Freitag, dam 30. Juni 2006 in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität in der Torstraße verlesen werden mußte, da Genosse Czepuck am Vortage ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte und nun vor einer komplizierten Operation steht.
Nach der Erklärung des Begriffs und der Darlegung geschichtlicher Hintergründe des Kampfes des einst revolutionären Bürgertums um Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit gegen den Preußenstaat und der Erläuterung der verfassungsmäßigen Grundlagen von Pressefreiheit heute in der BRD ging es vor allem um aktuelle Zusammenhänge. Worin besteht die Freiheit der Medien in unserer Zeit, da wir mit einer Sintflut von Informationen zugeschüttet werden? Welche Rolle spielen unter diesen Bedingungen Auswahl und Bewertung von Informationen? Wer bestimmt gerade darüber? Welche Rolle spielen die Wortwahl und die zunehmende Amerikanisierung der deutschen Sprache? Haben sich die Hoffnungen der sogenannten Bürgerbewegten, die sie an den Anschluß der DDR an die BRD geknüpft hatten, im Hinblick auf die Pressefreiheit erfüllt? Welche Erfahrungen mußten wir diesbezüglich in den nunmehr reichlich einein-halb Jahrzehnten seit 1990 sammeln? Wie kommt es zur Monopolisierung der Meinungsbildung in den Händen immer weniger und immer mächtigerer Medienkonzerne? Wie werden dabei die heutigen technischen Möglichkeiten genutzt?
Anhand einer Fülle von aktuellen Beispielen wurde die bürgerliche "Medien-freiheit" als Freiheit der Manipulation der Meiningsbildung entlarvt. Dem mit viel Beifall aufgenommenen Vortrag folgte ein interessanter Meinungsaustausch, in dem es vor allem um die Möglichkeiten ging, sich gegen diese Manipulation zu wehren, Wahrheiten zu verbreiten, die über die bürgerlichen Medien nicht zu erfahren sind, und besonders der heranwachsenden Generation, die die DDR nicht selbst erleben konnte, ein realistisches Bild unseres ersten sozialistischen deutschen Staates zu vermitteln Wie kann man, so wurde überlegt, auch in einer Zeit, da die Menschen mit Hilfe von Fußball-Begeisterung nationalistisch hypnotisiert werden, Aktivitäten gegen die neuen sozialen Gemeinheiten in diesem Lande entwickeln?
Nachdem noch über Harri Czepucks neues Spotless-Büchlein "Die längste Nacht - Wahrheiten über Halbe" gesprochen worden war, übermittelten die Anwesenden ihm ein herzliches Dankeschön und beste Genesungswünsche.