9. Juni 2006:
Ein Abgesandter aus Athen in der Regionalgruppe Berlin


Am 9. Juni 2006 konnte die Regionalgruppe des „RotFuchs“-Fördervereins Genossen Nikos Papageorgakis aus Athen begrüßen. Das Mitglied der Ge-schichtskommission des ZK der KPG (KKE) folgte der Einladung der Berliner RG und referierte zum Thema „Der Kampf der griechischen Kommunisten für eine breite antiimperialistische Front“. Mehr als 60 Anwesende hörten sozusagen „aus erster Hand“, was der Gast zur Geschichte und zur gegenwärtigen Ent-wicklung der griechischen Kommunistischen Partei vortrug. Der 88jährige Weg der Partei war von großen Erfolgen, aber auch schweren Niederlagen geprägt. Insbesondere die Zeit der Illegalität bis 1974 kostete viele Opfer. Der Terror konnte dennoch nicht verhindern, dass sie weiterlebt und heute neben der Portu-giesischen Kommunistischen Partei zu den einflussreichsten kommunistischen Parteien Europas zählt. Ein besonderes Anliegen sei es der Führung, stets richtige Schlussfolgerungen aus Rückschlägen und Niederlagen zu ziehen. Als schwerer Fehler hätte sich die Auflösung der illegalen KP Ende der 50er Jahre erweisen. Die KKE habe die Lage, die nach 1989/90 eingetreten ist, gründlich analysiert. Der Sozialismus, „so, wie wir ihn kennen gelernt haben“, stelle trotz seiner Schwächen eine höhere Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung dar. Er bleibe die einzige Alternative zum kapitalistischen System. Die historische Mission der Arbeiterklasse sei nicht ad acta gelegt. Wolle die Menschheit eine Zukunft haben, dürfe die Errichtung des Sozialismus als Ziel nicht aus den Augen verloren werden. Die Aufgabe der KKE sei es, sich organisatorisch weiter-zuentwickeln, insbesondere Arbeiter und junge Menschen zu gewinnen. Großes Augenmerk lege man auch auf die Vermittlung marxistisch-leninistischer Bildung und die Diskussion theoretischer Fragen des wissenschaftlichen Sozialismus. Es gehe darum, die Arbeitskämpfe der Werktätigen mit dem politischen Kampf zu verbinden. Dabei spiele ein enger Kontakt zur Gewerkschaftsbewegung eine große Rolle. Die KKE sei beim Aufbau einer eigenen Gewerkschaftszentrale (PAME) gut vorangekommen. Der Grundwiderspruch des Kapitalismus vertiefe sich täglich. Erscheinungen von Verfall und Not gehörten zum prägenden Alltagsbild. Deshalb sei der antiimperialistische Kampf für die KKE heute eine wichtige Bedingung für die Überwindung des Kapitalismus. Die Schuldigen an der ständigen Reproduktion und Vertiefung der Probleme in allen Bereichen der menschlichen Gesellschaft müssten mit Namen und Adresse genannt werden. Der Einfluß der KKE wachse auch unter den Mittelschichten. Im Parlament sei die Partei seit Jahrzehnten mit einer Fraktion vertreten. Mitglieder der KKE gehörten auch dem Europaparlament an. In einer klugen Bündnispolitik sowie der Schaffung einer antiimperialistischen Einheitsfront erblicke die Partei eine entscheidende Voraussetzung für weitere Erfolge. Es gehe ihr nicht um Parla-mentssitze und Regierungsbeteiligung, sondern darum, die Wirksamkeit der Arbeit im außerparlamentarischen Bereich zu erhöhen. In der Diskussion nahm der Referent zu solchen Fragen Stellung wie: Welche Rolle spielt die KKE in der internationalen kommunistischen Bewegung? Welche Perspektive hat die Zu-sammenarbeit kommunistischer Parteien in Europa und der Welt? Wie steht die Partei zur Europäischen Linkspartei? Wie bewertet die KKE die Entwicklungen in Lateinamerika? Wie gelingt es ihr, junge Menschen und Frauen zu erreichen?