Das Echo auf den Beitrag von Dieter Itzerott
in der August-Ausgabe des „RotFuchs“
war außerordentlich stark. „Man darf die
Sache nicht auf den St.-Nimmerleins-Tag
verschieben“, ist die überwiegende Auffassung,
aber, so möchte ich hinzufügen,
man darf auch nichts überstürzen. Die
Lehren der Geschichte sind hier eindeutig.
Sie besagen, von der Gründung der Sozialdemokratie
1869 über die der KPD 1918/19
bis zum Entstehen der SED 1946, daß sich
ein solcher Prozeß auf eine Massenbasis
stützen muß. Mit der Proklamierung einer
neuen Splitterpartei von einigen hundert
oder gar tausend Mitgliedern ist niemandem
gedient. So scheint es klar zu sein,
daß eine solche Partei wohl kaum aus dem
Zusammenschluß der gegenwärtig bestehenden
kommunistischen Parteien und
Gruppierungen hervorgehen kann, käme
er denn überhaupt zustande.
Unsere zentrale Losung bleibt: Für die
Zusammenführung von Kommunisten
und Sozialisten mit und ohne Parteibuch
auf marxistischer Grundlage. Gegen sie
gibt es verstärkt polemische und gehässige
Bemerkungen von bestimmter Seite.
Unserer Auffassung, der größte Teil der
standhaft gebliebenen Kommunisten und
Sozialisten auf dem früheren Gebiet der
DDR sei heute parteilos, wird mit Verweis
auf die auch von uns verteidigte Leninsche
Parteitheorie begegnet, nach der es keine
parteilosen Kommunisten gäbe. Diese im
Prinzip richtige Auffassung negiert indes
die nach der Konterrevolution entstandene
konkrete historische Situation im Osten.
Der Anteil „parteiloser Bolschewiken“, die
schon Lenin hoch achtete, ist hier sogar
extrem groß. Das wichtigste Reservoir
aber sind junge Menschen, die sich in
Riesenzahl gegen imperialistische Globalisierung
und Aggression wenden, aber
gegenwärtig noch nicht bereit sind, sich
einer politischen Partei zu öffnen.
Wir möchten ausdrücklich betonen, daß
wir an gedeihlichen, kameradschaftlichen
und solidarischen Beziehungen zu
all jenen Kräften interessiert sind, die
ähnliche oder identische Ziele verfolgen
wie wir. Aus unserer Sicht besteht keinerlei
Konkurrenzdenken. Allerdings wenden
wir uns gegen jegliches Alleinvertretungsgehabe
– von wem es auch immer ausgeht.
Denn keine der derzeit existierenden
kommunistischen
Organisationen kann für sich
in Anspruch nehmen, „Partei
aller Kommunistinnen und
Kommunisten in der Bundesrepublik
Deutschland“ zu sein,
wie es erst kürzlich wieder zu
hören war. Wir wenden uns
ebenso gegen die Vorstellung
einzelner, die Sache für sich
gepachtet zu haben. Wir weisen
Meinungen zurück, die
auf die Parole hinauslaufen:
„Wenn du Kommunist sein
willst, mußt du in unsere
Partei eintreten, sonst bist du
keiner.“ Abzulehnen sind auch
linkssektiererische Losungen,
die zu „marxistisch-leninistischer
Aktionseinheit“ aufrufen.
So etwas gibt es nicht.
Mit solchen Phrasen isoliert
man sich selbst und verprellt
potentielle Bündnispartner.
In Vorbereitung auf die kommenden
Schlachten halte ich
das Studium der Erfahrungen
und Lehren besonders der
frühen Periode der SED, der
sich unsere Zeitschrift bereits
in mehreren Beiträgen gewidmet
hat, für wertvoll. Um nicht
mißverstanden zu werden: Es
geht nicht darum, die SED
wiederzubeleben oder ihren
Werdegang zu kopieren. Aber
die Beschäftigung mit dieser
Materie ist von Vorteil, da
die SED als Partei der Arbeitereinheit
auf marxistischer
Grundlage entstand und zu ihr
schon bald nach der Gründung
Hunderttausende stießen, die
vorher nicht der KPD oder der
SPD angehört hatten. (Aus "RotFuchs", November 2003)
Siehe auch: Geschlossenheit auf hohem Niveau /
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