2. Mitgliederversammlung des "RotFuchs"-Fördervereins am 11. Oktober 2003 - Seite 4 von 4
Siehe auch: Geschlossenheit auf hohem Niveau

Das Echo auf den Beitrag von Dieter Itzerott in der August-Ausgabe des „RotFuchs“ war außerordentlich stark. „Man darf die Sache nicht auf den St.-Nimmerleins-Tag verschieben“, ist die überwiegende Auffassung, aber, so möchte ich hinzufügen, man darf auch nichts überstürzen. Die Lehren der Geschichte sind hier eindeutig. Sie besagen, von der Gründung der Sozialdemokratie 1869 über die der KPD 1918/19 bis zum Entstehen der SED 1946, daß sich ein solcher Prozeß auf eine Massenbasis stützen muß. Mit der Proklamierung einer neuen Splitterpartei von einigen hundert oder gar tausend Mitgliedern ist niemandem gedient. So scheint es klar zu sein, daß eine solche Partei wohl kaum aus dem Zusammenschluß der gegenwärtig bestehenden kommunistischen Parteien und Gruppierungen hervorgehen kann, käme er denn überhaupt zustande. Unsere zentrale Losung bleibt: Für die Zusammenführung von Kommunisten und Sozialisten mit und ohne Parteibuch auf marxistischer Grundlage. Gegen sie gibt es verstärkt polemische und gehässige Bemerkungen von bestimmter Seite. Unserer Auffassung, der größte Teil der standhaft gebliebenen Kommunisten und Sozialisten auf dem früheren Gebiet der DDR sei heute parteilos, wird mit Verweis auf die auch von uns verteidigte Leninsche Parteitheorie begegnet, nach der es keine parteilosen Kommunisten gäbe. Diese im Prinzip richtige Auffassung negiert indes die nach der Konterrevolution entstandene konkrete historische Situation im Osten. Der Anteil „parteiloser Bolschewiken“, die schon Lenin hoch achtete, ist hier sogar extrem groß. Das wichtigste Reservoir aber sind junge Menschen, die sich in Riesenzahl gegen imperialistische Globalisierung und Aggression wenden, aber gegenwärtig noch nicht bereit sind, sich einer politischen Partei zu öffnen. Wir möchten ausdrücklich betonen, daß wir an gedeihlichen, kameradschaftlichen und solidarischen Beziehungen zu all jenen Kräften interessiert sind, die ähnliche oder identische Ziele verfolgen wie wir. Aus unserer Sicht besteht keinerlei Konkurrenzdenken. Allerdings wenden wir uns gegen jegliches Alleinvertretungsgehabe – von wem es auch immer ausgeht. Denn keine der derzeit existierenden kommunistischen Organisationen kann für sich in Anspruch nehmen, „Partei aller Kommunistinnen und Kommunisten in der Bundesrepublik Deutschland“ zu sein, wie es erst kürzlich wieder zu hören war. Wir wenden uns ebenso gegen die Vorstellung einzelner, die Sache für sich gepachtet zu haben. Wir weisen Meinungen zurück, die auf die Parole hinauslaufen: „Wenn du Kommunist sein willst, mußt du in unsere Partei eintreten, sonst bist du keiner.“ Abzulehnen sind auch linkssektiererische Losungen, die zu „marxistisch-leninistischer Aktionseinheit“ aufrufen. So etwas gibt es nicht. Mit solchen Phrasen isoliert man sich selbst und verprellt potentielle Bündnispartner. In Vorbereitung auf die kommenden Schlachten halte ich das Studium der Erfahrungen und Lehren besonders der frühen Periode der SED, der sich unsere Zeitschrift bereits in mehreren Beiträgen gewidmet hat, für wertvoll. Um nicht mißverstanden zu werden: Es geht nicht darum, die SED wiederzubeleben oder ihren Werdegang zu kopieren. Aber die Beschäftigung mit dieser Materie ist von Vorteil, da die SED als Partei der Arbeitereinheit auf marxistischer Grundlage entstand und zu ihr schon bald nach der Gründung Hunderttausende stießen, die vorher nicht der KPD oder der SPD angehört hatten. (Aus "RotFuchs", November 2003)
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